Offener Brief: Verzicht auf Impfung zugunsten jüngerer BürgerInnen

Berlin, 11.03.2021/cw – Vor wenigen Tagen  erhielt auch ich das Privileg einer Impfung mittels beigefügtem Code zugesandt. Nach beschlossener Regierungsdefinition gehöre ich zu den altersbedingt gefährdeten Altersgruppen. In einem „Offenen Brief“ an die Berliner Senatorin für Gesundheit, Dilek Kalayci, habe ich heute auf dieses Privileg zugunsten einer/s impfbereiten Bürgers/In verzichtet. Der Brief hat folgenden Wortlaut:

Briefmarke TATORT:
Offener Brief an Berliner Senatorin

Offener Brief

Berlin, 11.03.2021/cw

Einladung zur Impfung gegen SARS CoV-2                                       Hier: Ihr Schreiben vom 01.03.2021 – Terminbuchungscode 2WJF-PGLA-PNAY-AAAD

Sehr geehrte Frau  Kalayci,                                                            besten Dank für Ihre freundliche vorbezeichnete Einladung.

Sicherlich pauschaliert formulieren Sie auch für mich „wegen meines Lebensalters“ (ich werde in vier Wochen 77 Jahre alt) ein „erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf im Falle einer Infektion mit SARS-CoV-2.“

Sie führen zum Schutz (vermutlich diverse) Impfstoffe an, ohne diese im Brief selbst oder im Rahmen des übermittelten umfangreichen Anhangs im Einzelnen zu benennen oder deren unterschiedliche möglichen Wirkungsweisen anzuführen. Ich kann leider auch hier keine sachdienliche Aufklärung erkennen, die es mir ermöglichen würde, diesen großzügig erscheinenden Impftermin zu vereinbaren oder wahrzunehmen. Wie sollte ich mich einem Impfstoff „ausliefern“, über dessen Beschaffenheit oder mögliche Nebenwirkungen bzw. Begleiterscheinungen ich nicht informiert werde?

Auch fällt mir als überzeugten Demokraten und mündigen Bürger auf, das Sie bzw. Ihre beauftragte Behörde zwar sehr viel Aufwand betrieben haben, um mich auf die „Erfordernisse“ hinzuweisen, die ich als Bürger im Falle einer vereinbarten Impfung einzuhalten habe. Danach ist z.B. dazu mitzubringen: Personalausweis, Anamnese-, Einwilligungsbogen, Aufklärungs-merkblatt, natürlich dieses Schreiben und (falls vorhanden) ein Impfbuch.

Natürlich fehlen auch nicht diverse Hinweise wie z.B. auf den Datenschutz und daß ich mich ggf. an den Datenschutzbeauftragten wenden könne. Nur nebenbei möchte ich anmerken, daß sich der Datenschutzbeauftragte in einem mir bekannt gewordenen gravierenden Fall der Datenschutzverletzung für „nicht zuständig“ erklärt hat.

Abgesehen von diesen neuerlichen Versäumnissen, die nicht geeignet erscheinen, das verloren gegangene Vertrauen in diverse Maßnahmen verantwortlicher Politiker und Institutionen wiederherzustellen, möchte ich aus persönlichen Gründen bzw. tiefer Überzeugung auf den mir zugedachten Impftermin zugunsten eines Menschen verzichten, der ebenso „aus persönlichen Gründen“ gerne einen Impftermin wahrnehmen möchte, diesen aber allein schon wegen seiner noch „nicht zu berücksichtigenden Alterseinstufung“ (noch) nicht vereinbaren darf. Mir ist nicht erkenntlich, warum selbst eine erkenntliche weil erklärte Impfbereitschaft an bürokratischen Hemmnissen (amtliche Anordnung aufgrund regierungsamtlicher Beschlüsse) scheitern muss.

Für mich persönlich ist der natürliche Tod altersmäßig wesentlich näher, als z.B. für eine/n Fünfundvierzigigjährige/n. Daher mag zumindest für mich die in Ihrem Schreiben angesprochene Besorgnis um meine Gesundheit unter Bezug auf mein Alter durchaus als ehrenwert erscheinen, es beseitigt nicht meine Skepsis gegen die Ausgrenzung bzw. Zurückweisung jüngerer Menschen.

Auch ich gehörte bislang zu den Menschen, die stolz darauf waren, in einem Staat aufgewachsen zu sein, für den Begriffe wie „Freiheit“, „Demokratie“, „Meinungs- und Entscheidungsfreiheit“ so selbstverständlich waren, wie diese Begriffe nunmehr durch die „Mattigkeit der Gewohnheit“ ihre für unser Gemeinwesen so lebenswichtige Bedeutung verloren zu haben scheinen. „Mehr Demokratie wagen!“ hatte einst ein deutscher Bundeskanzler zu Beginn seiner Amtszeit unter lautem öffentlichem Beifall verkündet. Und nun? Statt – zum Beispiel – die freie Willensentscheidung für oder gegen eine Impfung in den Mittelpunkt zu stellen und dem Bürger zu überlassen, wird dieser selbstbestimmten Entscheidung durch regierungsamtliche Verordnungen (mit viel plötzlich vorhandenem Geld und noch mehr amtlichem Papier) wie selbstverständlich vorgegriffen. Diskussion, Debatte mit dem Bürger? Fehlanzeige, weil hier (ebenso selbstverständlich) „der Staat“ gefordert ist?

Wir haben seinerzeit weder die Daten in der Bundestagsdrucksache 17/12051 vom 03.01.2013 (S.5: 2.3 Risikoanalyse „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ – https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf ) in der Öffentlichkeit diskutiert noch uns nachvollziehbar auf diese nunmehr so bezeichnete „Pandemie“ vorbereitet (was bereits vor sieben Jahren möglich gewesen wäre). Dagegen wird der Bevölkerung, also den Wählern der Politiker, die Pandemie nach wie vor von diesen als ein „furchtbares, nicht vorhersehbares Ereignis“ mit allen schrecklichen, uns jetzt deklamierten Folgen verkauft. Folgen diesen Versäumnissen, z.B. auch der zuvor angeführten und ausgebliebenen Debatte um eine drohende Pandemie, nicht zu recht Vertrauensverluste oder gar Misstrauen gegen jetzige – überdies nach wie vor sehr holprig erscheinende – Maßnahmen der Verantwortlichen?

Diesen Brief werde ich veröffentlichen. Er soll Menschen, die z.B. meine Ablehnung der Impfung nicht teilen oder auch in gefährdeten Berufen tätig sind, die Möglichkeit geben, sich bei Ihnen um den durch meinen übermittelten Verzicht freigewordenen Impftermin zu bemühen. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu den Grundprinzipien unseres Staatswesens, die sogar maßgeblich zur Überwindung einer Diktatur beigetragen haben, habe ich gleichwohl noch nicht aufgegeben.

Mit freundlichen, wenngleich besorgten Grüßen

Carl-Wolfgang Holzapfel,                                                                                                      77, Rentner“

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.626).

Veröffentlicht von redaktionhoheneckerbote

1944 im schlesischen Bad Landeck (heute Polen) geboren, in Berlin aufgewachsen. Erstes Interesse für Geschichte und Politik durch Ungarn-Aufstand 1956. 1958 Deutschlandpapier zur möglichen Lösung der "Deutschen Frage". Ab 1961 Gewaltloser Kampf gegen die (Berliner) Mauer. 1965 Verhftung durch DDR-Organe am Checkpoint Charlie nach Demo für die Freilassung politischer Gefangener in der DDR; 1966 Urteil in Ost-Berlin: 8 Jahre Zuchthaus; Oktober 1966 Freikauf. Bis 1989 weiterhin Demos an der Mauer in Berlin; am 13.08.1989 "Der Mann vom Checkpoint Charlie". Anfang der sechziger Jahre erste eigene Veröffentlichungen in Druck-Medien. Seit 2011 im Internet unter Redaktion Hohenecker Bote.

4 Kommentare zu „Offener Brief: Verzicht auf Impfung zugunsten jüngerer BürgerInnen

  1. Sehr geehrter Herr Holzapfel,
    ich bin einige Monate älter als Sie, und ich werde mich ebenfalls nicht impfen lassen. Ich habe in meinem ganzen Leben versucht, alles zu tun, um meine Gesundheit, abgesehen von Asthma, welches ich durch die psychischen Belastungen des Ausreiseantrags bekommen habe, bis ins Alter stabil zu halten. Der Mensch lebt seit undenklichen Zeiten mit Viren, die immer bedauernswerte Opfer fanden. In dieser Welt der Überbevölkerung und der Globalisierung, verbunden mit der Sucht, in jeden Winkel der Erde reisen zu müssen, muß man lernen, mit den
    derzeit nicht beherrschbaren Viren umzugehen. Und da ist die beste Lösung, ein Immunsystem aufzubauen, das bis ins Alter einen großen Schutz gegen Viren gewährleistet. Gesund ernähren, den Körper ertüchtigen und viel frische Luft bei Wind und Wetter – statt Pillen, Sprit-zen und Rollator. Jedoch kann man mit gesunden Menschen nichts oder nur wenig verdienen.
    Das ist nur eines der kapitalistischen Dilemmata.

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  2. Werter Herr Holzapfel,
    durch Zufall bin ich auf Ihren Beitrag gestoßen. Welch ein Glück! Vor etwa drei Wochen hatte ich meiner Tochter (41 Jahre, Gendefekt und in einem „relevanten“ Beruf), versprochen auf meine Impfung zugunsten ihrer Gesundheit zu verzichten. Das wollte auch ich der Senatorin schreiben. Sie haben somit meine Gedanken bestens formuliert bereits abgeschickt. Ich danke Ihnen dafür.
    Iris Ebert (75 Jahre)

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  3. Ich werde mir im Fall einer „Impfeinladung“ erlauben, auf diesen Offenen Brief zu verweisen. Das erspart mir die Mühe, ihn selbst zu verfassen. Danke.

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  4. Bin 60
    Werde im Fall einer Impfeinladung Strafanzeige wegen versuchten Mordes gegen die Senatorin und die gesamte Weisungskette machen.
    Wird natürlich eingestellt werden.
    Aber die Machtverhältnisse ändern sich. Da könnte dann auch die Frage der Strafvereitelung ins Spiel kommen.
    Man könnte das Wort Abschaum einbinden. Dann könnte man wegen Beleidigung gegen mich vorgehen, aber eben nicht, ohne dass ich dann nur noch vom dem Morden sprechen würde.
    Wieso sollten Massenmörder kein Abschaum sein?
    Mit freundlichen Grüßen

    *Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich um eine freie Meinungsäußerung, die mit den Meinungen der Redaktion bzgl. „Mord“ und „Abschaum“ nicht übereinstimmen.

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