Mieter-Wirklichkeit in Deutschland 2021: Wie eine Schwerbehinderte auf die Straße gesetzt wurde 

Mainz/Berlin, 13.10.2021/cw – Die Wahlen sind vorbei, jetzt darf man sich wieder von Parolen zurückziehen und Wahrheiten ans Tageslicht bringen. Auf die Politik dürfte das so gut wie keine Auswirkungen haben. Man sitzt wieder vier Jahre ungestört auf seinem Mandats-Sessel. Und bis zur nächsten Wahl wird man schon wieder neue Parolen unter das Volk bringen: Man müsste, man könnte, wir werden prüfen müssen…

Das ZDF-Magazin FRONTAL stellte am gestrigen Montag in aller Brutalität eine Realität in den Focus der Öffentlichkeit: „Auch wenn Kündigungen von Mietwohnungen im vergangenen Jahr aufgrund der Coronapandemie zeitweise ausgesetzt wurden, ist die Zahl der Zwangsräumungen 2020 nur leicht gesunken. Der Wohnungsmarkt bleibt angespannt.“ Und weiter hieß es in der Vorankündigung von Jörg Göbel und Markus Reichert: „Ein häufiger Grund für Zwangsräumungen sind Eigenbedarfskündigungen. Zwischen tatsächlichem und vorgeschobenem Eigenbedarf ist dabei kaum zu unterscheiden. Für viele ehemalige Mieter bleibt nur die Obdachlosigkeit.“

Raus aus der Wohnung!

Der Beitrag „Raus aus der Wohnung, rein in die Not! Gekündigt wegen Eigenbedarfs“ (https://www.zdf.de/politik/frontal/wohnungsmarkt-gekuendigt-wegen-eigenbedarfs-zwangsraeumung-100.html) verschlägt dem Zuschauer, sofern er sich noch ein Herz für die wirklichen Nöte in diesem Land bewahrt hat, den Atem. Geschildert wird das Schicksal von Viktoria Schaffer-Brech, eine ehemalige Bankangestellte, die fast erblindet ist. Obwohl sie ihre Miete für eine Erdgeschosswohnung stets pünktlich gezahlt hat, wird ihr die Wohnung in Bad Tölz „wegen Eigenbedarfs“ gekündigt. Gerichtliche Einsprüche werden abgewiesen: Das Gericht u.a.: „Die Sehbehinderung der Klägerin reiche nicht für einen Härtefall…“.

 „Ich fühle mich entwürdigt, nicht mehr als vollwertiger Mensch.“ Trotz Krankheit und Behinderung immer ihren Pflichten  nachzukommen, dafür hat die Bankangestellte immer gekämpft. Das Angebot einer Warmmiete von 1.400 € reichte bisher für die Findung einer neuen Wohnung nicht aus. Etliche beauftragte Makler konnten ihr zu diesen Bedingungen keine Wohnung (in Bad Tölz!) vermitteln. Vorübergehend hat ihr die örtliche CARITAS ein Zimmer zur Verfügung gestellt, damit Viktoria Schaffer-Brech nicht auf der Straße vegetieren muß.
Wir sind verpflichtet, solchen Bürgern beizustehen

Olaf Scholz, nach bisheriger Sicht künftiger Kanzler, sagte am 25.03.2020 im Bundestag: „Wir sind als Gesetzgeber und als Regierung verpflichtet, den Bürgern in dieser Situation (Kündigungssperre/Corona) beizustehen.“ Das war eineinhalb Jahre vor der Wahl, die Sperrfrist ist zwztl. abgelaufen. Und nach der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag?

Zweifellos handelt es sich hier nicht um ein plötzliches, unvorhergesehenes Problem. In dem Berliner Kultur-KINO KLICK in  der Charlottenburger Windscheidstraße 19, wird just am 14. Oktober (20:00 Uhr) der Film „Der Umsetzer“ von Brigitte Toni Lerch und Benno Trautmann gezeigt. Es geht in dem 1976 (!) erstellten Film um „die Geschichte eines alten Mannes, der zusammen mit anderen Mietern aus der gewohnten Berliner Altbauwohnung in  ein Neubauviertel „umgesetzt“ wird. Am Widerstand des Mannes wird deutlich, wie tief der Eingriff in lebenswichtige Wurzeln eines Menschen sein und wie weit der Druck der „Profitgier“ mit gemeinnützigem Anstrich gehen kann,“ heißt es in der Vorankündigung zum Filmabend.

Aufgrund der aktuellen Lage sind die Plätze im Kino beschränkt. KLICK empfiehlt, Tickets (9,50 € / ermäßigt 7,50 €) online im Vorverkauf zu erwerben: kontakt@klickkino.de.

V.i.S.d.P.: Redaktion  Hoheneck, Berlin – Mobil: 01767-48061953 (1.671).

Veröffentlicht von redaktionhoheneckerbote

1944 im schlesischen Bad Landeck (heute Polen) geboren, in Berlin aufgewachsen. Erstes Interesse für Geschichte und Politik durch Ungarn-Aufstand 1956. 1958 Deutschlandpapier zur möglichen Lösung der "Deutschen Frage". Ab 1961 Gewaltloser Kampf gegen die (Berliner) Mauer. 1965 Verhftung durch DDR-Organe am Checkpoint Charlie nach Demo für die Freilassung politischer Gefangener in der DDR; 1966 Urteil in Ost-Berlin: 8 Jahre Zuchthaus; Oktober 1966 Freikauf. Bis 1989 weiterhin Demos an der Mauer in Berlin; am 13.08.1989 "Der Mann vom Checkpoint Charlie". Anfang der sechziger Jahre erste eigene Veröffentlichungen in Druck-Medien. Seit 2011 im Internet unter Redaktion Hohenecker Bote.

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